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Aktuelles vom Chronisten

Wie das ''Kuchenstück'' zu seinem Namen kam
Im Jahr 1903 wurde mit dem Aufschluss des Tagebaues Regis I und dem erforderlichen Schütten der ''Halde'' nördlich der in den Jahren 1927/28 errichteten Bergmannssiedlung am heutigen Bergmannsring begonnen. Daher stammt auch der frühere Name ''Halde'' für die in der Bergmannssiedlung angelegte Ringstraße. Von 1945 bis 1990 war der Straßenname Friedrich-Engels-Ring und danach erfolgte die Umbenennung zum Bergmannsring. Um 1910 erfolgte die Innenverkippung im Tagebau Regis I nördlich der ''Halde''. Nach dem Kulturbodenauftrag konnte die Fläche einer Wiedernutzung zugeführt werden. Nach etwa 10 Jahren entstanden auf dem wiedernutzbar gemachtem Kippengelände Parzellen in Form von ''Kuchenstückchen'' die landwirtschaftlich genutzt wurden. Zu diesem Zeitpunkt könnte der Name ''Kuchenstück'' entstanden sein, so nach Aussagen der Regiser Bürger Werner Teich und Walter Jahn, deren Väter bereits damals diesen Begriff gebrauchten wenn sie auf ihre Felder gingen. Um 1935 wurde für die Entwicklung des Tagebaues Regis II, der im März 1936 die Grenze zum Tagebau Regis I erreichte, mit dem Abtragen der ''Halde'' begonnen. In den Jahren 1939/40 begann man mit der Planung und dem Bau der heutigen Wohnsiedlung Regis-Nord. Der Bau erfolgte auf dem Kippengelände des ehemaligen Tagebaues Regis I. Insbesondere in den Jahren 1944/45 fanden viele Menschen, die aus ihrer Heimat in Ostpreußen, Schlesien oder Sudeten in Folge der Kriegsentwicklung verlassen mußten ein neues zu Hause. In Verbindung mit der Umsiedlung von Bergisdorf wurde das letzte der 9 Wohnhäuser in der Deutzner Str. 62/68 im Jahr 1948 fertiggestellt.
Regis Nord damals
Regis Nord heute
Östlich von Regis-Nord schwenkte 1948 bis 1954 der Tagebau Blumroda vorbei, der nach dem Bruch des Pleißendammes am 10. Juli 1954 von den gewaltigen Hochwasser überflutet wurde. Die noch stehengebliebennen Blumrodaer Tagesanlagen wurden für das damals errichtete Arbeitserziehungskommando (AEK) genutzt. In den Jahren 1960 bis 1964 schwenkte östlich von Regis-Nord hinter dem ehemaligen Tagebau Blumroda der Tagebau Borna-Süd vorbei. Das Schütten des Dammes für das Hochwasserschutzbecken Borna, im Volksmund auch ''Adria'' genannt, erfolgte von 1968 bis 1970. Im Mai des Jahres 1996 wurden die 9 Wohnhäuser von der Bremer Rechtsanwaltsfamilie Dr. Dirk Oelbermann gekauft und im Oktober des gleichen Jahres begann die erstmalige Sanierung mit der Verlegung der Wasser- und Gasleitungen sowie diverser Erdkabel. Heizungskörper lösten die Brikettheizung ab. Die komplette Haus- und Wohnungssanierung erfolgte 1997. Ein Jahr später wurde der Um- und Ausbau der Dachgeschosse und damit die Erweiterung auf 102 Wohnungen abgeschlossen. Das seit 1999 jährlich ein Wohngebietsfest durchgeführt wird, das das ''Kuchenstück'' auch heute noch im Volksmund liebevoll so genannt wird und alle 102 Wohnungen belegt sind zeugt doch von einer hohen Zufriedenheit seiner Mieter. Dem Regiser Regiser Ortschronisten Dieter Kluge und der Mieterin Regina Krutzinna sei für ihre Informationen an dieser Stelle herzlichst gedankt.
Kuchenstückballade
Es war einmal ein Wohngebiet,
das war im Ort nicht gerade beliebt.
Die Mieter waren große Klasse,
die paar Einzelnen, ach die lasse.
Das Umfeld, so plegt man heut zu sagen,
hat zu dieser Abneigung beigetragen.
Es ist egal.
Die Einheit war, die Treuhand kam,
die unsere Häuser übernahm.
Und erst jetzt kam das Erwachen,
was soll man mit den Häusern machen ?
Verkaufen ! So hieß nun die Devise,
oder es wird Ďne ''grüne Wiese''

Wie sahen unsere Häuser aus ?
Jedes war doch ein ''Unikat'',
große Fenster oder kleine,
viele ohne Fensterscheibe.
Treppenhäuser, auch du Schreck,
die Farbe war auch weg.
Die Dächer hatten sogar Löcher,
wurden sie mal zugemacht,
wart es bunter auf dem Dach.
Ob gelb, rot, schwarz oder grau,
man nahmís nicht so genau,
denn den Mietern war bekannt,
Dachziegel waren ja knapp im ganzen Land.
Und so ging es über Jahre,
Löcher zu und Löcher auf,
der Verfall nahm so seinen Lauf.
99 Wohnungen konnteste zählen,
aber 69 waren nur vergeben.
Der Rest, mal höflich ausgedrückt,
wer dort einzog war verrückt.
Es gab nur Abfall, Müll und Schrott,
ach, du lieber Gott, ach du lieber Gott.
Den ''Altmietern'', so wie wir sie heute nennen,
muß man trotzdem den Dank entgegenbringen,
hätten sie nicht privat in ihre Wohnungen investiert,
da wär das ''Kuchenstück'' wegradiert.

Die Treuhand, ja die war sehr klug,
sie erließ so einen Spruch:
- Sanierung - so hieß das Zauberwort,
- Alte Häuser - wieder flott.
Und auch die Banken stiegen ein,
räumten gleich Kredite ein.
Auch der Staat hatte ein Erbarmen,
ließ den Bauherrn Steuern sparen.
Und so kam er, ja für uns zum Glück,
der Käufer für das ''Kuchenstück''.
Seit dem Sanierungsstart, im Jahre Ď96
wurde vieles hier vollbracht,
das zeigt dir heut, die Gegenwart.
Heitzung, Spielplatz, feste Straße,
Fußweg mitín Rosenbeet,
Grillplatz und Ďne Bank vorím Haus,
schöne Wohnung haste auch.
Für Dein Auto einen Stellplatz oder Garage gar.
Für die Wäsche hast Du Pfähle,
für ein Garten, gibt es Land.
Du hast ein Umfeld mit viel Grün,
verweile doch, hier ist es schön.
Drum lebe täglich in der Gegenwart,
genieße und erhalte - Das -,
was für die Mieter hier vollbracht.

Die Vergangenheit, ach laß sie ruhen,
denn für die Zukunft, gibtís auch noch was zu tun.
Die ''Laube'', ist so ein Objekt,
nutzte sie für Deinen Zweck,
aber gib auch acht,
daß man sie nicht zu nichte macht.
Für die Mieter groß und klein,
sollte sie geöffnet sein,
denn die Achtung wird geprägt,
wenn man gemeinsam was erlebt.
Jede Hilfe ist gefragt und wird auch dankend angenommen,
denn es soll vollendet werden, was gerade erst begonnen.
Die Zukunft, die beginnt schon morgen,
für heute sollís gewesen sein.
Bevor ich den Platz jetzt räum,
Familie Oelbermann ein herzlich Dankeschön.

getextet und vorgetragen von Regina Krutzinna
zum 4. Wohngebietsfest am 06.09.2002
Text: L. Graupner
Fotos: D. Kluge

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